In diesem exklusiven Interview spricht das Team von ALLATRA mit Moshe Reuven Azman – dem Oberrabbiner von Kyjiw und der Ukraine sowie dem Vorsitzenden des Allukrainischen Kongresses der jüdischen Religionsgemeinschaften. Es ist ein aufrichtiger und tiefgründiger Dialog mit einem spirituellen Führer, der sich für das Land in äußerst schwierigen Zeiten unermüdlich um die Ukrainer kümmert und die internationale Gemeinschaft dazu aufruft, sich nicht an den Krieg zu gewöhnen.
Seit Beginn der groß angelegten Invasion der Russischen Föderation am 24. Februar 2022 ist Moshe Azman zu einem Symbol für moralischen Mut, Glauben und humanitäre Führungsstärke geworden. Er hat Kyjiw in den gefährlichsten Tagen nicht verlassen und die Brodsky-Synagoge in ein humanitäres Hauptquartier verwandelt: Er organisierte die Evakuierung von Tausenden Menschen, lieferte Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Generatoren, Wasseraufbereitungsanlagen und andere dringend notwendige Hilfsgüter.
Er vertritt die Ukraine aktiv auf der internationalen Bühne, trifft sich mit Politikern und Leitfiguren der öffentlichen Meinung und ruft zu weiterer Unterstützung und Hilfe für die Ukraine auf. Sein Beitrag wurde auf höchster Ebene gewürdigt: Am 27. Juni 2025 verlieh Präsident Volodymyr Zelensky Moshe Reuven Azman den Verdienstorden II. Klasse.
Im Interview teilt Rabbiner Azman seine Sichtweise darüber, warum die Ukraine-Woche in Washington von besonderer Bedeutung für die Stärkung der internationalen Unterstützung der Ukraine ist. Er betont, wie wichtig es ist, die Wahrheit darüber zu sagen, dass der Krieg Russlands gegen die friedliche Bevölkerung der Ukraine andauert und dass sich die Welt nicht an die täglichen Verluste, das menschliche Leid und die Zerstörung der zivilen Infrastruktur gewöhnen darf.
Rabbi Azman widmet den humanitären Folgen der russischen Angriffe auf die Energie- und zivile Infrastruktur der Ukraine besondere Aufmerksamkeit, insbesondere während der winterlichen Kälteperiode. Im Gespräch geht es um Menschen, die ohne Strom, Heizung und Wasser auskommen müssen, um ältere Menschen, Familien mit Kindern und diejenigen, die die Folgen von Stromausfällen und russischen Beschüssen körperlich nicht selbst bewältigen können. Er betont, dass diese Handlungen systematischer Natur sind und eine direkte Bedrohung für das Leben der Zivilbevölkerung darstellen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Kinder – als dem am stärksten gefährdeten Teil der Gesellschaft. Rabbiner Azman spricht von der moralischen Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, die Kinder selbst unter den schwierigsten Kriegsbedingungen zu schützen und betont, dass der Schutz von Kindern keine politische Frage, sondern eine grundlegende humanitäre Pflicht sei.
In dem Interview berichtet er zudem über konkrete Hilfsinitiativen, insbesondere über mobile Hilfszentren, die in den betroffenen Gebieten tätig sind. In diesen Zentren können sich die Menschen aufwärmen, ihre Kommunikationsgeräte aufladen, heiße Getränke erhalten, grundlegende Hilfe und menschliche Unterstützung erfahren. Rabbi Azman betont, dass echte Spiritualität untrennbar mit Handeln verbunden ist und dass die Verantwortung für den Nächsten mit konkreten Schritten beginnt – insbesondere dann, wenn Menschen in der Nähe sind, die sofortige Hilfe benötigen.
Zum Abschluss des Gesprächs richtet er sich an die internationale Gemeinschaft, die ukrainische Diaspora und alle, denen das Schicksal der Ukraine am Herzen liegt, mit dem Appell, die Ukraine nicht aus den Augen zu verlieren und die Unterstützung fortzusetzen – durch humanitäre Initiativen, Aufklärung und praktische Hilfe. Es geht um die konkreten Bedürfnisse hier und jetzt: Generatoren, medizinische Hilfsmittel, Wärme, Kommunikation und Ressourcen, die Leben retten.
Das Interview wurde vom ALLATRA-Team in Washington aufgezeichnet.
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