In diesem zweiten ALLATRA-Podcast spricht der ehemalige CIA-Mitarbeiter Glenn Corn darüber, wie Geschichte in der modernen Informationskriegsführung und zur politischen Einflussnahme instrumentalisiert werden kann.
Mit mehr als vierunddreißig Jahren Erfahrung in US-Geheimdiensten, Diplomatie und internationaler Sicherheit – darunter über zwei Jahrzehnte Auslandseinsatz in Zentral- und Südasien sowie im Nahen Osten – untersucht Professor Corn, wie russische Informationskampagnen historische Ereignisse und das kollektive Gedächtnis nutzen, um die öffentliche Meinung zu prägen und politische Entscheidungsfindung zu beeinflussen.
Seine berufliche Laufbahn begann bei der Central Intelligence Agency (CIA) und umfasste später leitende Positionen im US-Außenministerium und beim US-Militär. Im Laufe seiner Karriere koordinierte er große multinationale Teams und war an zahlreichen diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten im Ausland tätig, wo er sich mit Fragen der internationalen Sicherheit und strategischen Angelegenheiten befasste.
Heute ist Glenn Corn Professor am Institute of World Politics, wo er Kurse zu den sowjetischen und russischen Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden sowie zur türkischen Außenpolitik, den Geheimdiensten und den Institutionen der nationalen Sicherheit hält.
Im Gespräch erläutert Professor Corn, warum die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg bis heute ein zentrales Element der russischen Staatspolitik ist und wie ausgewählte historische Narrative genutzt werden können, um das Bild eines äußeren Feindes zu erzeugen, die Gesellschaft zu mobilisieren und politische Entscheidungen zu rechtfertigen.
Professor Corn widmet sich außerdem besonders der Frage, wie das sogenannte „antifaschistische“ Narrativ des Kremls als politische Waffe in den heutigen Informationsoperationen gegen die Ukraine und den Westen eingesetzt wird und durch welche Mechanismen Angst, Desinformation und manipulierte historische Narrative die öffentliche Meinung sowohl innerhalb Russlands als auch international beeinflussen können.
Vor dem Hintergrund des russischen Krieges gegen die Ukraine beleuchtet das Gespräch außerdem Narrative rund um den Donbas, das Erbe der Sowjetzeit sowie den Einsatz historischer Mythen in internationalen Informationskampagnen. Professor Corn betont darüber hinaus die Bedeutung historischer Bildung und kritischen Denkens als unverzichtbare Instrumente zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit gegen Desinformation und kognitive Kriegsführung.
Das Interview wurde von ALLATRA produziert, einer internationalen Nonprofit-Organisation, die sich der Aufklärung der Öffentlichkeit, der Forschung und der Bildung zu Klima und geodynamischen Risiken, Umweltfragen, einschließlich Mikro und Nanoplastik, sowie dem Schutz grundlegender Menschenrechte und Freiheiten widmet.
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